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Slogan: Alles dreht sich um Boden
 Boden-Bewusstsein



Boden ist nach wie vor ein in der Gesellschaft wenig bekanntes und geschätztes Umweltmedium. Weder der Bevölkerung noch den zuständigen Entscheidungsträgern ist die immer akuter werdende Schutzbedürftigkeit unserer Böden im erforderlichen Ausmaß bewusst. Flächenverbrauch, Versiegelung oder Kontamination gefährden unsere Lebensgrundlage “Boden”.


Copyright: Umweltbundesamt - Autobahn

Dass etwas ist,“…. heißt entgegen den Denkansätzen der Philosophie1 beim Boden noch lange nicht, dass er…. „im Bewusstsein“… ist. Demnach gibt es keinen Boden, da „etwas, das nicht in unserem Bewusstsein ist,… nicht ist, ….denn eine andere Erkenntnisquelle als das Bewusstsein haben wir nicht.“

Hoppala, auf was stehen wir also tagtäglich? Nichts? Luft? Nein, denn wie das Beispiel Oberösterreich zeigt, sind es zu 82,3% fruchtbare Böden (Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzfläche) die wir betreten, nur 17,7% sind Gewässer, Ödland, Brachland usw..

Klar ist den Menschen meist, dass sie sauberes Wasser als Trinkwasser benötigen, dass sie reine Luft zum Atmen brauchen. Aber wofür bitteschön brauchen wir gesunde Böden?

Die Lebensmittel kommen aus dem Supermarkt, das Regenwasser reinigt sich doch von selbst, kurzum, die Funktionen des Bodens in den Naturkreisläufen sind zu wenig bekannt.
Die zunehmende Verbrauch von Acker- und Grünlandböden für Bauzwecke bedeutet einen Verlust der Flächen für die Nahrungsmittelproduktion und als wichtiger Baustein im Ökosystem. Schadstoffe im Boden können für Gesundheit und Gewässer gefährlich sein.

Über die Ursachen, warum Böden “Bewusstseinsstiefkinder” sind, wurde in der BRD schon viel gerätselt.
Hier nur einige Beispiele:

  • Boden ist Privatbesitz und wird gehandelt
  • Boden ist nicht eigentlich sichtbar, riechbar, schmeckbar
  • Böden reagieren auf Belastung sehr langsam
  • Boden ist gleich Dreck an den Füssen

Das heißt, dass Bewusstseinsbildung dringend nötig ist, den ansonsten wird auch Bodenschutz kein Thema. Der Mensch, die Gesellschaft schützt nur das was bekannt ist und stellt Mittel nur zur Verfügung, wenn etwas wertvoll erscheint.

Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass es für einige Länder bereits eine Verpflichtung zur Bodenbewusstseinsbildung gibt:

  • Durch die Alpenkonvention, Protokoll Bodenschutz
  • durch die Mitgliedschaft beim Bodenbündnis für Oberösterreich und Niederösterreich

Anzusetzen ist an allen Seiten: Bei den NGO´s, den Schulen, im Internet, den Gemeinden und nicht zuletzt den Bürgern.

Nichtsdestotrotz gibt es bereits viele Initiativen in europäischen Ländern, um den Bodenschutz in die Köpfe der Menschen zu bringen:

  • Bodenlehrpfade
  • Bodenspiele
  • Boden-Informationstage
  • Bildungstools im Internet (Lehrmittel, Lehrpfade…)
  • Gemeindeaktivitäten (ELSA – Bodenbündnis,…)
  • Kunst und Boden
  • Bodenfilme

Bei der EUROSOIL 2008 wurde im Symposium “education in soil science and raising public awareness” die Idee eines europäischen Bodennetzwerkes diskutiert. Die Einrichtung eines solchen Netzwerkes stieß auf fruchtbaren Boden! Im September 2009 fand in Osnabrück ein erstes Treffen des European Network on Soil Awareness (ENSA) statt (>> Newsmeldung ENSA)

Mit vereinten Kräften sollte es gelingen, dem Boden wieder die Bedeutung zukommen zu lassen, die er bereits einmal hatte. Denn wie schrieb Friedrich Albert Fallou, 1862: „Es gibt in der Natur keinen wichtigeren, keinen der Betrachtung würdigeren Gegenstand als den Boden! Es ist ja der Boden, der die Erde zu einem freundlichen Wohnsitz der Menschen macht. Er alleine ist es, der das zahllose Heer der Wesen erzeugt und ernährt, auf denen die belebte Schöpfung und unsere Existenz letztlich beruht.“

Autorinnen: Renate Leitinger / Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Monika Tulipan / Umweltbundesamt

1 Klaus Wagn (2003): Bewusstsein und Wirklichkeit; Caan Verlag