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Slogan: Alles dreht sich um Boden
 INSPIRE



Am 15. Mai 2007 trat die Richtlinie zu INSPIRE (Infrastructure for Spatial Information in the European Community) in Kraft. Sie dient dazu, den Aufbau einer gemeinsamen Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft sowohl technisch als auch rechtlich zu regeln. Dies vereinfacht den Austausch und die gemeinsame Nutzung von Geodaten und erleichtert die Zugänglichkeit zu den Daten.


Copyright:  - INSPIRE geoportal

Die europäische Umweltbehörde sieht durch die Ausarbeitung der Richtlinie eine Erleichterung der Formulierung, Umsetzung und Überwachung von umweltpolitischen Maßnahmen vor.

Aufgrund des großen Spektrums an betroffenen Geodaten beeinflusst die Richtlinie auch viele andere Politikbereiche. Sie wird weitreichende Auswirkungen auf die Anbieter behördlicher Geodaten und die Geoinformationsbranche allgemein in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) haben.

Im Fokus steht die Forcierung und Erleichterung von Austausch sowie Bereitstellung der Geodaten.

Um das zu erreichen, ist es die Aufgabe der EU – Mitgliedsstaaten eine gemeinsame Geodateninfrastruktur zu entwickeln und interoperable Geodienste aufzubauen. Um die Daten auch semantisch in ihrer Bedeutung zu harmonisieren, legt die Richtlinie europaweit einheitliche Datenmodelle für genau festgelegte Themen (z.B. Verwaltungseinheiten, Gewässernetze etc.) fest.

Folgende Dienste sind für Datenzugang und Datennutzung vorgesehen:

  • Suchdienste: Suche nach Geodaten und Geodatendiensten auf Basis von Metadaten
  • Darstellungsdienste: Anzeige, Navigation, Größenveränderung und Überlagerung von Geodaten
  • Download‐Dienste: Herunterladen von und direkter Zugriff auf Geodaten
  • Transformationsdienste: Umwandlung von Geodaten zur Ermöglichung einer interoperablen Nutzung (z.B. durch Datenmodell‐ und Koordinatentransformationen)
  • Dienste zum Abrufen von Geodatendiensten

Es ist vorgesehen, diese Dienste grenzüberschreitend über ein INSPIRE‐Geoportal anzubieten, das von der Europäischen Kommission geschaffen und betrieben wird. Derzeit steht auf dem INSPIRE Portal der EU-Kommission ein Prototyp bereit.

Boden ist eines der INSPIRE – Themen (Annex III), d.h auch Bodendaten sind Geodaten im Sinne von INSPIRE.

Das Projekt GS Soil [1] setzt die INSPIRE – Anforderungen für Bodendaten beispielhaft durch den Aufbau einer europäischen Geodatenstruktur speziell für Bodendaten um. Dabei finden Aspekte der Datenorganisation und Datenharmonisierung ebenso Berücksichtigung wie semantische und technische Interoperabilität, die letztendlich zu einem gemeinsamen INSPIRE-konformen Bodendatenportal auf europäischer Ebene führen.

Koordination und Umsetzung in Österreich
Auch die Koordinierung der Umsetzung der Richtlinie in den einzelnen Mitgliedstaaten ist in der Richtlinie geregelt, z.B. sieht sie die Einrichtung einer nationalen Anlaufstelle vor.

In Österreich wird die INSPIRE-Richtlinie durch das Geodateninfrastrukturgesetz der Bundes (GeoDig) sowie 9 Landesgesetze umgesetzt. Zuständig für die nationale Koordination ist der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, der dafür eine Nationale Koordinierungsstelle in seinem Ministerium eingerichtet hat. Diese besteht aus Vertretern aller betroffener Ministerien, der Bundesländer sowie von Städte- und Gemeindebund.

Regelung von Kosten und Entgelten
Während die Suche nach Daten kostenfrei sein soll, können für die Darstellung und den Download der Daten Gebühren festgelegt werden. In diesem Fall sind E‐Commerce‐Dienste anzubieten, welche den geregelten Zugriff unter Berücksichtigung von Nutzungs‐ oder Lizenzbedingungen gewährleisten.

Daten‐ oder Dienstanbieter des öffentlichen Sektors können Entgelte erheben, wenn sie in ihrem Aufgabenbereich zur vollen oder teilweisen Kostendeckung für Erfassung, Führung und Bereitstellung ihrer Daten oder Dienste verpflichtet sind. Allerdings sollten „die Gebühren […] die Kosten der Erfassung, Erstellung, Reproduktion und Verbreitung zuzüglich einer angemessenen Rendite nicht übersteigen.“
Zur Höhe der Entgelte gegenüber Dritten macht die Richtlinie keine Vorgaben.

Details zum Inhalt der Richtlinie
In 26 Artikeln definiert die Richtlinie allgemeine Rahmenbedingungen für die Europäische Geodateninfrastruktur (EGDI). Diese sollen sicher stellen, dass darin genannte Geodaten der Behörden aller Verwaltungsebenen innerhalb der EU leicht gefunden sowie institutions‐ und grenzüberschreitend genutzt werden können. Basis der EGDI bilden die Geodateninfrastrukturen (GDI) der Mitgliedstaaten.

Ziel ist, die nationalen Herangehensweisen an die Bereitstellung von amtlichen Geodaten sowie Geodatendiensten zu harmonisieren. Die fachlichen und technischen Einzelheiten hierzu sind in den Durchführungsbestimmungen festgelegt wie u.a. zu den Themen Metadaten, Netzdienste, Interoperabilität von Daten und Diensten sowie Zugangsvoraussetzungen. Als Grundlage dazu sollen möglichst bestehende internationale Standards (z.B. des Open Geospatial Consortiums) und Normen (z.B. ISO) dienen.

Die Richtlinie bezieht sich auf insgesamt 34 Arten von Geodaten. Diese liegen bei Behörden in elektronischer Form vor oder werden für diese bereitgehalten bzw. werden sie in Wahrnehmung des behördlich-öffentlichen Auftrags genutzt.
Ausgenommen davon sind Daten, die aufgrund von bestehenden datenschutz- oder urheberrechtlichen Regelungen nicht der Öffentlichkeit zugänglich sein können.

Weiters schreibt die Richtlinie nicht die Sammlung von neuen Geodaten vor, sie bestimmt die Art der Bereitstellung bestehender sowie von einer Behörde neu erfasster Daten. Diese sind innerhalb festgelegter Fristen von der Behörde entsprechend den Durchführungsbestimmungen zur Verfügung zu stellen und durch Metadaten zu beschreiben.

Zeitplan für die Umsetzung von INSPIRE (Stand Dezember 2011)
markierte Aufgaben sind für Boden relevant

|03.12.2010| Erstellung von Metadaten zu den Anhängen I und II

|09.11.2011| volle Betriebsfähigkeit der Such- und Darstellungsdienste

|28.06.2012| Anfangsbetriebsfähigkeit der Download- und Transformationsdienste

|23.11.2012| Bereitstellung neu erhobener und aktualisierte Geodaten Anhang I

|28.12.2012| volle Betriebsfähigkeit der Download- und Transformationsdienste (Konformität)

|03.12.2013| Erstellung von Metadaten zum Anhang III, nicht harmonisierte Daten sind als Darstellungs- und Dowloaddienst bereitzustellen

|15.05.2014| Bereitstellung neu erhobener oder aktualisierter Geodaten Anhang II und III

|23.11.2017| Bereitstellung restlicher Daten Anhang I

|15.05.2019| Bereitstellung restlicher Daten Anhang II und III

Quellen:
Informationsbroschüre INSPIRE Runder Tisch GIS E.v.

INSPIRE Portal der EU – Kommission

1 GS SOIL Assessment and strategic development of INSPIRE compliant Geodata Services for European Soil Data,
Website

AutorInnen: Erik Obersteiner / Monika Tulipan / Umweltbundesamt